10. März 2007

Schwerer Gang

Abgelegt unter: Familie — Jung Ewig Sucht @ 19:20

Hatte Euch ja berichtet, das ich vor einiger Zeit den Kontakt zu meinen Eltern aus verschiedenen Gründen abbrach und mich mein Vater ganz überraschend vor einigen Tagen anrief. Er bat mich um ein Gespräch  bzw. wollte mir seine Hilfe anbieten. Ich hatte ihm daraufhin versprochen mir Gedanken darüber zu machen und mich bei ihm zu melden. Heute habe ich mich dann dazu durchgerungen spontan bei meinen Eltern vorbei zu fahren, um ihnen meinen Entschluß mitzuteilen. Warum ich das nicht per Telefon gemacht habe lag wohl daran, das ich ihnen dabei in ihre Gesichter sehen wollte um zu sehen, ob es ihnen wirklich ernst ist. Trotzdem war es für mich kein leichter Gang. Zu tief sitzen die Erinnerungen an einen hoch dominaten Vater, dessen Meinung Gesetz war und der jeglichen Widerspruch oder anderslautende Meinungen wortgewaltig niederbrüllte. Es ist mir damals nie gelungen meine Meinung vor ihm zu vertreten, immer wieder hat er mich mundtot geredet. Heute bin ich zwar erwachsen, doch lebe ich noch immer in dem Programm, was ich bereits als Kind erschaffen habe. Entsprechend nervös und unruhig war ich auch, als ich dann vor ihrer Türe stand. Meine Mutter öffnete mir und erschrug förmlich als sie mich sah. Und obwohl sie schon immer Schwierigkeiten hatte es zu zeigen, konnte ich ihre Freude darüber mich zu sehen merklich spüren. Als ich ihr die Hand zur Begrüßung reichen wollte, zog sie mich gleich an sich und umarmte mich. Selten das ich das bei ihr erlebt habe. Die Begrüßung meines Vaters verlief hingegen eher kühl und distanziert, was aber mehr von mir ausging. Wir setzten uns dann ins Wohnzimmer und ich erklärte ihnen, das ich lediglich gekommen sei um  zu sagen, das ich eine erneute Therapie in einer Klinik anstrebe und derzeit nicht in der Lage bin, mit ihnen ein klärendes Gespräch zu führen. Ich sagte aber auch das ich dazu nicht grundsätzlich abgeneigt sei. Jetzt ist allerdings der falsche Zeitpunkt. Meinem Vater konnte ich anmerken das ihm das nicht ganz recht war und er am liebsten sofort über die Dinge gesprochen hätte. Aber seltsamerweise verhielt er sich sehr zurückhaltend. Spürbar unsicher und vorsichtig in seinen Äußerrungen. Weiß nicht was ich davon halten soll. So kenne ich ihn gar nicht. Meine Mutter hingegen, früher immer ohne eigene Meinung und nur auf der Seite meines Vaters, gab mir Zuspruch. Sie meinte ich solle mich jetzt erstmal um mich kümmern, das sei jetzt das Wichtigste. Sie war auch redlich darum bemüht, das es zwischen mir und meinem Vater nicht zu einem Streitgespräch kommen würde und ich womöglich für immer die Wohnung verlassen könnte. Vieleicht haben sie sich wirklich Gedanken gemacht und wollen einen Neubeginn. Jedenfalls haben wir dann vereinbahrt, das ich auf sie zukomme, sobald ich dazu bereit bin. Sie wünschten mir dann noch alles Gute und sagten, sie seien jederzeit für mich da. Ich war irgendwie froh als ich raus war. Hab während der Zeit schon einen enormen Druck in mir gespürt. Bin aber gleichwohl auch froh, das ich diesen Schritt gewagt habe und kann mich jetzt auf meine Dinge konzentrieren.   

6 Kommentare »

  1. Schön dass das Gespräch besser gelaufen ist als du befürchtet hast. Aller Anfang ist schwer, aber das packst du schon…

    Kommentar von Christine — 10. März 2007 @ 21:52

  2. Hallo Christine
    Sowie das Gespräch verlaufen ist, war es gut für mich. Ob wir wieder zueinander finden weiß ich nicht aber ich will es jedenfalls von meiner Seite aus versuchen, wenn ich soweit bin.

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 11. März 2007 @ 00:53

  3. Auch das freut mich für Dich! Dann bist Du den Druck schon mal los.
    Später, wenns Dir wieder besser geht, kannst Du ja schauen, wie es weiter geht.

    Kommentar von Steffi — 11. März 2007 @ 01:38

  4. Meine Hochachtung dafür das du diesen Mut aufgebracht hast, ist dir gewiss! Klasse. Freut mich auch, das dein Vater sich zurück gehalten hat und du da mit nem guten gefühl raus gegangen bist.

    Kommentar von Der Liebeskasper — 12. März 2007 @ 09:53

  5. Auch meinen Respekt hast Du! Das war ein grosses Stück arbeitet dass Du da geleistet hast. Auch wenn es nicht einfach werden wird, denke ich dass Du die richtige Richtung eingeschlagen hast und weiterkommen wirst.

    Kommentar von Miriam — 12. März 2007 @ 13:19

  6. Ich danke Euch für Eure Unterstützung. Muß jetzt einfach versuchen einen Schritt nach dem anderen zu gehen und darf mich nicht auf alles gleichzeitig stürzen.

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 12. März 2007 @ 15:59

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