Möchte vom heutigen Therapietag eigentlich nichts schreiben sondern vielmehr versuchen zu erläutern, warum ich offensichtlich in früher Kindheit bereits das Vertrauen in meine Eltern verloren habe. Ich hatte früher extreme X-Beine und mein Vater rannte mit mir von einem Arzt zum Anderen um eine Lösung zu finden, wie meine Beine wieder gerade zu bekommen wären. Er fand Hilfe bei einem Orthopäden, der ein spezielles Schlafbrett baute auf dem ich dann ein Jahr lang jede Nacht schlafen mußte. Dabei wurde ich dann von den Fußgelenken bis hoch zur Hüfte angeschnallt, so das die Beine in eine gerade Position gezogen wurden. Ich konnte mich dabei logischerweise nicht bewegen, war 4 Jahre alt und hab das alles nicht verstanden. Ich bekam Angst vor der Dunkelheit und hab laut meiner Schwester, teilweise die Nächte durchgeschrien und nur geweint. Meine Eltern erklärten mir nur das dies so sein muß damit meine Beine gerade werden und ignorierten mein weinen meist. Hab mich völlig allein gelassen, schutzlos und bestraft gefühlt. Die Beine wurden zwar wieder gerade doch ich bekam extreme Angst vor der Dunkelheit und Schlafstörungen. Konnte nur noch unter der Bettdecke und an der Wand gekauert schlafen. Kein Körperteil durfte zu sehen sein, damit mich bloß niemand entdecken könnte um mir etwas Böses zu tun. Mit 5 Jahren bekam ich dann eine Darmverschlingung. Mir wurde gerade noch rechtzeitig der Darm leergepumpt nachdem ich vor Schmerzen in einem Kaufhaus zusammenbrach und meine Eltern mich in die Klinik brachten. Der Arzt sagte wohl das ich 10 Minuten vor dem Tod stand. Jedenfalls mußte ich dann für 6 Wochen in dieser Klinik bleiben und wieder fühlte ich mich von meinen Eltern allein gelassen. Meine Tante sagte mir mal, das ich während dieser Zeit nicht ein Wort mit meinem Vater gesprochen habe, wenn er mich besuchen kam. An die Klinik kann ich mich so gut wie gar nicht erinnern, nur daran, das ich mich mal aus irgendeinem Grund in der Toilette eingeschlossen hatte.  Ob und wenn, was da passiert war, weiß ich nicht. Kann auch nur wieder auf eine Aussage meiner Oma und meiner Tante zurückgreifen die behaupteten, ich sei danach ein sehr verängstigtes und zurückhaltendes Kind gewesen. Kaum aus der Klinik fing ich dann auch an mir für nachts zum Schlafen Küchenmesser unter das Kopfkissen zulegen. Hatte wahnsinnige Angst im dunkeln und davor, das irgendjemand einbricht und mir oder uns was antun will. Konnte auch nicht allein in der Wohnung bleiben. Zu Anfang hatte mich meine Mutter ein oder zwei Mal gefragt, warum ich das tue. Danach hat sie es ignoriert und die Messer morgens dann wieder in die Küche gebracht. Ich wurde älter und zu dem Messer gesellte sich noch, als ich etwa 16 Jahre alt war, eine Gaspistole und ein Baseballschläger, den ich neben das Bett stellte. Die Geschichte mit den Waffen hörte so langsam erst auf, als ich 1998 meinen Hund Kimba bekam. Bei ihm hatte ich dann irgendwann das Vertrauen, er würde mich schon warnen und beschützen, wenn etwas passieren sollte.  Naja, so jedenfalls fing das mit meinen Ängsten und dem Vertauensverlust zu meinen Eltern  an. Vertrauen in mich selbst aufbauen war dann auch schon nicht mehr möglich. Hab das meiner Bezugtherapeutin heute morgen auch so erzählt und wir werden hier noch viel tiefer rein müssen. Denn nach und nach kamen immer mehr Ängste und Probleme hinzu. Ich muß verstehen lernen was und warum das damals alles so war und warum ich wie gehandelt habe. Vorallem darf ich mir nicht für alles was geschehen ist die Schuld geben.Â
30. März 2007
7. Tag
7 Kommentare »
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Das ist ja schrecklich was Deine Eltern da gemacht haben! Da kann ich es gut verstehen wenn Du Dich als Kind vor der Dunkelheit gefürchtet hast. Und oftmals nimmt man ja solche Ängste dann sein ganzes Leben lang mit, sie ändern sich im Laufe der Jahre aber sie bleiben beständig. Bis man sich an sie ranwagt und sie angeht. Ich denke Du bist auf einem guten Weg und ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft für die nächste Zeit.
Kommentar von Miriam — 31. März 2007 @ 08:20
Hallo Miriam,
meine Eltern werden nicht im Traum daran gedacht, was ihr Verhalten eventuell in mir auslösen könnte. Will ihnen da keinen Vorwurf mehr machen. Aber das wird wahrscheinlich der Grundstein für meine weitere Entwicklung gewesen sein. Jedenfalls kam im Laufe der Jahre immer mehr hinzu.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 31. März 2007 @ 17:47
…unfassbar, was da Eltern nach “bestem Glauben und Gewissem” tun. Ich denke, Eltern denken immer (doch eher meistens) sie handeln richtig. Insofern ist es richtig, wenn du ihnen keinen Vorwurf machst.
….trotzdem unfassbar!
Kommentar von Lebefrau — 1. April 2007 @ 09:06
Hi J-E-S,
danke für deine Offenheit
Dies sind wichtige Schritte zum Ziel,
Lg Kalle
Kommentar von Kalle — 1. April 2007 @ 09:15
Hallo Lebefrau,
vom kopf her ist es mir klar, das ich ihnen keinen Vorwurf machen darf. Kann mich aber nicht davon freisprechen, das die Dinge immer wieder mal hochkommen und Wut in mir auslösen. Zeigt halt, das ich das alles noch nicht verarbeitet habe.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 1. April 2007 @ 11:44
Hi Kalle,
ich bin froh darüber, das auch Ihr mir gegenüber sehr offen seit. Das macht es mir auch ein Stück leichter Dinge hier anzusprechen, die mir irgendwo auch sehr unangenehm und auch peinlich sind. LG J-E-S
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 1. April 2007 @ 11:48
Das hört sich echt krass an.
Aber es ist doch auch gut zu erfahren, woher deine Schwierigkeiten kommen. Dann kann man daran arbeiten! Ich find toll, dass du so offen bist!
Kommentar von Jule — 2. April 2007 @ 20:58