Noch aufgewühlt von gestern und einer fast schlaflosen Nacht gab es heute wieder etwas sehr aufregendes für mich. Hatte zu ersten mal Männergruppe die vom Oberarzt höchst persönlich geleitet wurde. Nach dem Vorgespräch mein erster Kontakt zu ihm. Er stellte die Frage in den Raum, was Männer wirklich brauchen. Ich hielt mich zurück, konnte die Frage für mich nicht beantworten. Von den Anderen kamen teils typische Antworten wie, ein fettes Auto, einen tollen Job, Erfolg und Anerkennung. Der Arzt erzählte dann eine kleine Geschichte über sich, seine Ausbildung und seine ersten Erfahrungen im Berufsleben. Während seiner Ausbildung und den ersten Jahren als Arzt war er sehr stark von Selbstzweifeln betroffen und glaubte nicht daran ein guter Therapeut zu sein. Er erzählte von seiner allerersten Stelle als Arzt und das sein damaliger Chef jeden Tag in sein Büro gekommen sei und ihn einfach nur fünf Minuten lang in den Arm genommen hatte. Ohne ein Wort zu reden. Ähnliches sei ihm noch in drei weiteren Kliniken, in denen er tätig war, wiederfahren. Er sei felsenfest davon überzeugt, das er aufgrund dieser Erfahrungen den Glauben an sich selbst erlangte und heute leitender Oberarzt einer guten psychosomatischen Klinik sei. Dann stellte er die Behauptung in den Raum, das das Wichtigste was Männer brauchen, Liebe, Zuneigung, Zuspruch und vorallem Vertrauen sei. Vertrauen in sich selbst und seine Mitmenschen. Nachdem er dies sagte, schaute er mich an und fragte, was ich jetzt fühlen würde. Ich sagte, ich fühle nichts und kann auch mit dem Ganzen nichts anfangen.  Und genau das sei mein Thema, entgegnete er mir daraufhin. Ich könne nicht vertrauen, weder mir noch meinen Mitmenschen. Dieser Behauptung wiedersetzte ich mich natürlich, da ich es so nicht sehe. Er machte dann mit mir eine Übung, in der die anderen Patienten mit einbezogen wurden. Ich mußte mich in die Mitte des Raumes stellen. Hinter mir ein weiterer Patient der seine Hände auf meine Schultern legen mußte. Hinter ihm standen noch drei Weitere die selbiges mit ihrem Vordermann taten. So standen wir dann einige Minuten und je länger es dauerte, je stärker wurde meine Unruhe. Ich wurde kurzatmig, mein Körper fing an zu kribbeln, die Hände wurden feucht, ich bekam Herzstiche und ich kam immer wieder ins schwanken. Der Arzt fragte wieder was wir fühlen würden. Bis auf mir sagten alle in der Reihe sie hätten ein Gefühl von Stärke, Vertrauen in den Halt der Reihe, Sicherheit und Wärme empfinden können. Ich hingegen konnte ausser der immer Stärker werdenen Unruhe und Nervosität nichts fühlen.  Daraufhin stellte er mir Fragen zu meiner Kindheit und zu meinen Eltern. Wir stellten fest, das ich bereits im Alter von 4 oder 5 Jahren aufgehört habe meinen Eltern zu vertrauen. Sehr wahrscheinlich aufgrund zweier für mich schwerwiegender Erlebnisse. Näher möchte ich allerdings nicht drauf eingehen.  Wenngleich die Sitzung sehr anstrengend für mich war ging sie zu schnell vorüber, denn es scheint wirklich ein großes Thema für mich zu sein. Je mehr ich darüber nachdenke, je klarer wird mir das auch. Muß das Thema dringend auch mal in der Einzeltherapie ansprechen.Â
29. März 2007
6. Tag
7 Kommentare »
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Ich musste gerade grinsen. 6 Tage um einen ersten Befund festzustellen und der Patient ist sogar bereit dazu darueber nach zu denken. Junge, das ist fuer eine Psychotherapie schon rekordverdächtig. Frag mal den Doc in einem Einzelgespräch (nur um zu vermeiden, dass du andere Patienten verunsichern könntest).
Ich hoffe du hast genug Kraft weiter zu machen und wuensche Dir viel Glück dabei.
Ich wollte noch mehr schreiben, aber ich denke, du und dein Therapeut sollten die Geschwindigkeit der Therapie bestimmen. Und ic finde ihr macht euch nicht schlecht dabei ..
Kommentar von le — 30. März 2007 @ 01:04
Manchmal erweckst du bei mir das Gefühl dir mit Taten helfen zu wollen. Der Zuspruch den du hier bekommst, basiert auch auf echten ehrlichen Empfindungen aber manchmal meine ich das reicht nicht. Ich finde gut, das du so schnell vorwärts gehst. Ich finde aber auch gut, das du dich selbst reflektierst und dieses momentan trotz aller Anstrengung durchgehend zulassen kannst. Wir sollten echt mal ein Bloggertreffen eintüten.
Alles gute. Schönes Wochenende. Entspann dich gut.
Kommentar von Der Liebeskasper — 30. März 2007 @ 08:32
HI J-E-S,
Erlebnisse aus der Kindheit prägen viele Menschen. Ich z.b. hatte als Kind (ebenfalls 4-5 Jahre)auch ein solches Erlebnis, als ich nachts durch irgendwelchen Lärm aufwachte, und alles dunkel um mich herum war. Ich stand auf ging aus dem Schlafzimmer, aber es war niemand da…nur leere Gläser auf dem Tisch. Keiner antwortete auf mein Rufen. Ich öffnete die Haustür (wir wohnten im dritten Stock) rief ins Treppenhaus, aber es kam keine Antwort. Dann lief ich zum Treppenhausfenster und sah hinaus – erst jetzt bemerkte ich warum ich aufgewacht bin: Feuer in einem Haus in der Stadt, Sirenen, Feuerwehr, und keiner war da, der sich um mich kümmerte. Wütend und heulend knallte ich die Tür zu und ging wieder ins Bett. Wenig später kamen meine Grosseltern zurück, und sagten mir, dass sie meine Mutter nach Hause begleitet hatten.
Aber seit dieser Nacht, habe ich nie mehr mit geschlossener Tür geschlafen; mein Vertrauen war weg, und es hat lange gedauert, bis ich wieder im Dunkeln schlafen konnte. Aber diese Angst von damals sitzt mir immer noch im Nacken, und ab und an, kommt sie auch wieder hervor…
lg Kalle
Kommentar von Kalle — 30. März 2007 @ 13:00
….du bist offensichtlich auf dem richtigen Weg. Mach weiter so! Die Erkenntisse, die du erlangst bringen dich Stück fürStück näher an dein Ziel–GESUND WERDEN!
Kommentar von Lebefrau — 30. März 2007 @ 18:57
Hallo Le,
ich habe eher das Gefühl mir rennt die Zeit davon und es kann nicht schnell genug gehen. Merke aber das ich mich damit wieder sehr unter Druck setze und das kann nicht gut gehen. Mir gehen soviele Dinge durch den Kopf, hab so viele Fragen die ich lieber in Einzelgesprächen loswerden möchte. Nur leider stehen mir nur 2x 30 Minuten Einzel in der Woche zur Verfügung, was unter anderem auch an der Vielzahl der Patienten liegt. Das Hauptaugenmerk in der Klinik liegt in den verschiedenen Gruppensitzungen. Habe heute aber mit meiner Bezugstherapeutin vereinbahrt, das ich alles was an Gedanken und Fragen aufkommt zu Papier bringen und ihr geben werde. Sie wird sich damit befassen und mir, wann immer es für sie zeitlich möglich ist, Rückmeldung geben.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 30. März 2007 @ 19:47
Hallo Liebeskasper,
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es freut mich das Du Dir so viele Gedanken machst und mir mit Taten helfen möchtest. Ich fürchte nur, das dies nicht möglich ist. Ich kann mir nur allein helfen. Auch die Therapeuten können mir lediglich das Werkzeug reichen, alles andere muß von mir kommen. Dennoch würde ich mich über ein Treffen sehr freuen
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 30. März 2007 @ 19:51
Lieber Kalle,
das von Dir Geschilderte löst in mir grad wieder eine tiefe Traurigkeit aus. Deinen Vertrauensverlust und den daraus resultierenden Schlafstörungen kann ich aufgrund meiner Erlebnisse sehr gut nachempfinden. Glaube ich werde gleich im Blog doch etwas zu dem schreiben, was mich das vertrauen in meine Eltern verlieren ließ. LG J-E-S
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 30. März 2007 @ 19:57