27. März 2007

4. Tag

Abgelegt unter: Therapie — Jung Ewig Sucht @ 20:07

Bin heute mit einem guten Gefühl in die Klinik gefahren und glaube, langsam etwas aufzutauen. Hab das der Gruppe auch in der Befindlichkeitssitzung mitgeteilt. Los gings dann heute morgen mit meiner ersten Ergotherapiesitzung. Hab mich für Tonarbeit entschieden und versuche jetzt ein Gefäß zu erstellen. Du sitzt 1,5 Stunden und arbeitest an irgendwelchen Dingen, während der leitende Therapeut das Geschehen einfach nur beobachtet oder hier und da mal eine Hilfestellung gibt. Mir ist noch nicht klar wofür diese Therapieform gut sein soll. Aber ich will nicht wieder gleich so ungeduldig sein. Desweiteren war ich noch in der Depressionsgruppe. Thema war hier die Funktion und Wirkungsweise von Psychopharmaka, sowie das Verhalten in einer Depression. Der leitende Arzt hielt hier einen Vortrag, welchen ich sehr interessant fand. Man hat bei mir zwar nach jeder Therapie u.a. immer wieder eine schwere Depression diagnostiziert, aber wirklich etwas anfangen konnte ich damit nicht. Für mich ist und war mein Verhalten immer normal, da ich es ja gar nicht anders kenne. Hier soll ich jetzt lernen ganz bewußt zu erkennen wenn ich mich depressiv verhalte oder mich in einer Depression befinde und auch, wie ich mich dann aus dieser Situation wieder herausholen kann. Dafür muß ich aber zunächst begreifen und akzeptieren, das ich depressiv bin. Ab morgen geht bei mir auch die medikamentöse Unterstützung los. Ich soll täglich 10mg Cipralex nehmen. Da ich dem Ganzen immer noch skeptisch gegenüberstehe, werde ich mir die Nebenwirkungen im Beipackzettel nicht durchlesen. Sonst drück ich mich vermutlich doch noch vor der Einnahme. Soll aber auf alle Fälle ein leichtes Medikament aus der Gruppe der Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer sein und stimmungsaufhellend wirken. Hab mit sowas noch keine Erfahrungen gemacht und laß mich jetzt einfach mal überraschen.    

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9 Kommentare »

  1. Ich könnte jetzt breit und gross meinen Psycho zitieren.
    Aber im Wesentlichen bringt das nichts.
    Es geht nicht darum, dir Unmengen an Ratschlaegen zu erteilen, selbst wenn sie noch so gut sind.
    Du musst deinen Weg finden, positive Reaktionen erkennen, ohne Hilfe und mit umzugehen.

    Wichtig ist immer die eigene Einstellung.
    Ich mache set ca. 4 Jahren Badminton und bin verdammt gut geworden. Da ich aber bevorzugt Doppel spiele reicht das nicht, weil immer eine Nummer 2 dabei ist. Und die koennen sogar spielen und laufen, rennen. Nur geben sie sehr oft schnell auf, wenn si hinten liegen und sind ebenfalls deprimiert.
    Ich versuche dann immer ganz freundlich und einfuehlsam darauf hinzuweisen, dass noch nie ein deprimierter Spieler ein Spiel gewonnen haette. Und .. lol .. die brauchen auch eine ganze Weile bis sie verstehen, was damit gemeint ist. Aber, dann geht es auf einmal:o)

    Der wichtigste Punkt an jeder Therapie ist, dass man man positive Reaktionen auf seine offenheit erfaehrt.

    Eine irische Freundin hat es mal sehr schön gesagt:”Wenn ich Dich frage, wie es dir geht, will ich wissen, wie es Dir geht und nicht was du denkst, was ich jetzt am Liebsten hoeren will.”

    Du siehst .. du bist nicht der einzige der komisches Zeug redet. Gewoehn dich infach daran, dass viele Menschen dich nie verstehen werden, dafuer werden diese Menschen dich auch nicht intressieren.

    Kommentar von le — 27. März 2007 @ 22:54

  2. Hi J-E-S,

    Ergotherapie habe ich auch gemacht, und ich kann dir sagen, forme einfach drauf los, oder male usw.. Nicht die Kusnt steht im Mittelpunkt, sondern das Ergebnis. Vielelicht liegt dir auch Ton nicht, und Aquarellmalerei würde dich mehr reizen…probier es einfach aus, und lass dich überraschen,

    lg Kalle

    Kommentar von Kalle — 27. März 2007 @ 23:10

  3. Cipralex hat bei unseren Patienten immer eine gute Wirkung gehabt. Jeder muss selbst wissen ob er den Beipackzettel liest oder nicht, aber oftmals stehen da dann soviele Sachen drin die einen total verunsichern und dann weiss man erst recht nicht mehr was man machen soll. Vertrau deinen Ärzten und Therapeuten dass die schon die richtige Therapie für dich aussuchen werden.

    Freut mich wenn du ein wenig offener geworden bist. Sowas braucht halt einfach seine Zeit und es ist auch ein Lernprozess der mal schneller und mal langsamer vonstatten geht. Auch mit kleinen Schritten kommst du ans Ziel…

    Kommentar von Miriam — 28. März 2007 @ 07:46

  4. Mit dem Bereich der Medikation kenne ich mich nicht aus. Ich finde aber schön, das du mit einem positiven Gefühl zur Klinik fährst und das du dich mit jedem Tag mehr in die Gruppe einbringst. Kleiner Schritt aber große Wirkung. (Ähnlich N. Amstrong auf dem Mond):-)

    Das mit der Tonarbeit finde ich ehrlich gesagt interessant und hörst sich entspannend an. Und wie Kalle schon sagt, kannst du hier auch was anderes ausprobieren wenn dir das doch nicht liegen sollte.

    Kommentar von Der Liebeskasper — 28. März 2007 @ 08:46

  5. hi le,
    ich weiß das ich für mich einen Weg finden muß und das alle guten Ratschläge der Welt nichts nützen, wenn ich nicht bereit bin sie umzusetzen. Womit wir dann bei der richtigen Einstellung sind. Das dies das absolut Wichtigste ist, da stimme ich mit Dir überein. Theoretisch ist mir das alles bewußt. Die Umsetzung gelingt aber noch nicht.

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 28. März 2007 @ 20:35

  6. Hallo Kalle,
    denke ich bleibe dran und werde alles mal ausprobieren. Hatte nie das Gefühl ein kreativer Mensch zu sein und vieleicht tue ich mich deshalb auch ein bissl schwer damit. Aber ich bin gespannt was mir letztlich der Therapeut zu meinen Ergebnissen sagen wird und wofür diese Form der Therapie gut ist. LG J-E-S

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 28. März 2007 @ 20:40

  7. Hi Miriam,
    zwei Patienten die ich kennen gelernt habe nehmen ebenfalls dieses Medikament und vertragen es ganz gut. Sie sagen aber auch, das es einige Zeit dauern kann bis eine Wirkung einsetzt, falls man überhaupt auf das Medikament anspringt. Ich werde da mal nicht allzugroße Erwartungen hegen und warte es ab.

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 28. März 2007 @ 20:48

  8. Problem an Medikamenten ist ja immer, dass die nur helfen, solange man sie nimmt. Von daher darf es allerhoechstens begleitend sein. Obs wirklich noetig ist, wuerde ich nicht mal einem Arzt oder Therapeuten zur Entscheidung ueberlassen, sondern mich selber fragen. Denn auch ein Arzt kann nie wissen, wie es wirklich in mir drin aussieht. Und ich bin halt so bisschen der Anti-Medikamenten-Mensch. Erst wird versucht ohne so Zeug auszukommen.

    Aber schoen, dass Du mit gutem Gefuehl in die Klinik faehrst, dann kannst Du Dir (ja! Du hilfst Dir selber, die Klinik kann nur Inputs geben) selber helfen und Deinen Weg finden.

    Weiterhin gutes Gelingen!

    Kommentar von Codo — 29. März 2007 @ 12:12

  9. Hi Codo,
    ich bin auch nicht der Medikamenten-Freund und hab sie bisher immer abgelehnt. Will mich dem jetzt aber nicht mehr verschließen da ich all die Jahre ohne ja auch nicht wirklich weiter gekommen bin.

    Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 29. März 2007 @ 19:58

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