Meinen ersten Tag habe ich hinter mich gebracht und muß sagen ich bin ziemlich geschafft, noch nervöser als schon zuvor und hab auch Angst morgen wieder hin zu gehen. Aber ich kenne dieses Gefühl aus meinen ersten beiden Klinikbesuchen und weiß, ich brauche mindestens eine Woche um dort überhaupt erstmal anzukommen. Im Grunde ist heute auch gar nicht viel gelaufen. Habe meine Bezugstherapeutin kennengelernt und ein Erstgespräch geführt, bin körperlich untersucht worden, mir wurde die Einrichtung gezeigt und ich habe jede Menge Anamneseformulare bekommen, die ich bis Montag ausfüllen muß. Desweiteren habe ich einen Wochenstundenplan erhalten der auch für alle Anderen gültig ist. Dieser wird durch einen speziell auf den Patienten abgestimmten Tagesplan ersetzt, den jeder von uns am entsprechenden Behandlungstag gleich morgens erhält. Es sind insgesamt etwa 40 Patienten in der Einrichtung und ich habs grad mal geschafft mit zweien ins Gespräch zu kommen. Habe unheimlich Probleme damit auf mir fremde Menschen zu zu gehen und bekomme kaum ein Wort über die Lippen. Es gibt einen großen Aufenthaltsraum in dem sich alle aufhalten können wenn keine Sitzungen sind und in dem auch mittags gegessen wird. Das Essen wird durch eine Cateringfirma in großen Behälten angeliefert und dann holt sich halt jeder das ,was er gern essen will selbst. Was hab ich gemacht? Hab mich in eine Ecke des Raumes gesetzt und mich nicht getraut aufzustehen um mir meine Essen zu holen. Es könnte mich ja wer anstarren und über mich reden. Was ich damit eigentlich sagen will ist, das jetzt grade wieder Probleme von mir hochkommen, von denen ich dachte sie einigermaßen im Griff zu haben. Das Schlimmste für mich war aber die sogenannte Befindungssitzung, die als erstes morgens um 9 Uhr und dann nochmal um 16 Uhr stattfindet. Hier sitzen dann alle 40 Patienten + Therapeut in einem Kreis zusammen und jeder muß etwas über sich und sein derzeitiges Befinden sagen. Das war die Hölle für mich. Habe große Probleme mich mit vielen Menschen in einem relativ kleinen Raum aufzuhalten und dann auch noch vor so einer Gruppe etwas zu sagen……..! Konnte lediglich meinen Namen und mein Alter nennen, mehr kam einfach nicht raus. Das bereitet mir eine wahnsinns Angst. Mein ganzer Körper fing an zu kribbeln und ich bekam tierische Herzstische. Diese Sitzung in der Vollversammlung findet 2x täglich statt und allein der Gedanke daran versetzt mich in Panik.  Dazu kommen dann noch diverse andere Gruppengespräche, die für mich aber erst ab morgen beginnen. Ich hoffe sehr das ich mich bald reinfinde und es mir gelingt, mich zu öffenen. Meine Bezugstherapeutin hat mir auch noch gesagt, das meine Therapie 8 Wochen dauern wird. Ich bin eher von 4 plus eventuell 2 Wochen Verlängerung ausgegangen, was auch eigentlich so üblich ist. Werd morgen meinen Chef darüber informieren müssen. Mehr kann ich Euch zu dem heutigen Tag nicht sagen. Warten wir ab ob die nächsten Tage von meinem Gefühl her besser verlaufen und die Ängste ein wenig nachlassen.
P.S. Bitte seht mir nach wenn ich momentan etwas weniger bei Euch vorbeischaue und kommtentiere. Denke diese Sache wird mir schon einiges an Kraft abverlangen und ich werde Abends dann ziemlich leer sein. Versuche aber zumindest hier täglich zu schreiben. LG J-E-S
Wow was soll ich sagen! Das ist alles heftig! Ich drück ir die Daumen das du das schaffst – da gehört eine Menge Überwindung zu – halte durch – ich denk an dich! Du tust es für dich – denk immer daran! Ich denke wir sind alle bei dir – aber vor Ort muß du ganz allein dadurch. Vielleicht machst du zwischendurch einfach mal die Augen zu und denkst an uns! Klopf dir mal auf die Schulter – für den mut den du aufgebracht hast!
Ich drück dich!
Kommentar von Stehauffrauchen — 22. März 2007 @ 20:27
Danke Dir Stehauffrauchen. Kann gar nicht beschreiben was da momentan in mir abgeht. Für viele wird sowas ein Klacks sein, nicht der Rede wert, eine Lapalie. Mir bereitet es einfach nur pure Angst und ich hoffe, ich halte da durch. Werd mal ersuchen zu schlafen. Bis morgen. LG J-E-S
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 22. März 2007 @ 22:59
Mach Dir keine Sorgen wegen deiner Ängste. Du wirst waehrend der Behandlung feststellen, dass alle 40 patienten ähnliche Probleme haben.
Und denk einfach daran, dass die anderen in der Klinik sind, weil ihre Probleme so gross sind, dass sie da nicht ohne proffessionelle Hilfe weiterkommen.
Wenn ihr alle Euch erst einmal traut zu reden, wirst du dich wundern, was die Anderen dir alles noch erzaehlen werden.
Das ist übrigens das Problem jedes Therapeuten, erst mal den Zugang zum Patienten zu finden und sein Vertrauen zu erlangen. Ohne das kann er auch nicht helfen.
Viel Glück!
Kommentar von le — 22. März 2007 @ 23:32
Sobald sich eine gewisse Vertrautheit zwischen Dir und den anderen Patienten entwickelt hat, wird es Euch allen bestimmt leichter fallen, da bin ich mir sicher.
Ansonsten denke ich, es ist ähnlich wie bei meiner irrationalen Spinnenphobie: die haben viel mehr Angst vor mir als ich vor ihnen
.
Aber dieses Wissen hilft einem ja leider auch nichts.
Hey, mach weiter. Nicht der ist mutig, der keine Angst hat, sondern der, der sich seiner Angst stellt!
Kommentar von Jagolina — 23. März 2007 @ 08:51
Das ist doch selbstverständlich dass du momentan andere Dinge im Kopf hast als auf unseren Blogs zu kommentieren! Schau dass es dir besser geht und du dich an die neue Situation gewöhnen und reinfühlen kannst. Dass du dich in der neuen Umgebung wohl fühlst und du die Hilfe annehmen kannst. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft für die nächste Zeit.
Kommentar von Miriam — 23. März 2007 @ 09:41
Ich haette vermutlich mit gar niemandem gesprochen :-/ Und das mit dem Essen holen kenn ich nur zu gut. Ich getrau mich jeweils auch nicht aufzustehen und irgendwo etwas zu holen. Sitz dann ein ganzen Abend auf dem selben Stuhl am selben Ort.
Ich wuensch Dir weiterhin viel Glueck.
Kommentar von Codo — 23. März 2007 @ 12:29
Ich denk an dich. Das Problem mit den Gruppensitzungen kann ich mir vorstellen, ich denke aber auch, das dieses mit jedem weiteren male etwas besser wird. Denk positiv. Das wird dir viel Kraft abverlangen, wenn am Ende aber eine Besserung deines inneren Empfindens dabei rausspringen sollte, hat es sich gelohnt. Step by Step. Du hast Zeit etwas für dich selbst zu tun. Und das Kommentieren auf unseren Blog´s ist Nebensache! Ich drück dir alle Daumen die ich habe.
Kommentar von Der Liebeskasper — 23. März 2007 @ 13:38
…..ich findes es klasse, dass du so offen bist, zumindest UNS ALLEN gegenbüber zu schreiben,was dir so tagtäglich “passiert”! Ich denke, mit der nächsten Zeit wird es dir gelingen dich zu öffnen…..wenn nicht, dann soll es noch nicht sein……kommt Zeit kommt Rat…..
Die nächste Panikattacke wird dich nicht mehr so sehr aus der Bahn werfen, hoffe ich zumindest für dich!
Alles Liebe
Lebefrau
Kommentar von Lebefrau — 23. März 2007 @ 19:45
Hallo le,
ansatzweise habe ich das gestern und auch heute schon mitbekommen, wer welche Probleme hat bzw. was ihn oder sie in die Klinik gebracht hat. Ich muß mir selber einfach mehr Zeit zugestehen und akzeptieren, das ich länger brauche um mit den Leuten warm zu werden. Schwierig empfinde ich auch, das ich der Einzige neue bin, der diese Woche seine Therapie begonnen hat. Die Anderen sind alle schon zwischen einer und sechs Wochen da, kennen sich somit bereits. Bin sicher die haben jetzt auch erstmal ein Problem mit mir. Ich weiß ja wie ich bin. Meine Ängste bringen mich zunächst dazu mich zurück zu ziehen und niemanden an mich ran zu lassen. Dadurch wirke ich natürlich sehr arrogant und das macht es ihnen auch nicht leichter, mit mir in Kontakt zu treten. Will versuchen nächste Woche offener zu werden.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 23. März 2007 @ 19:54
Hi Jagolina,
ich habe mir fest vorgenommen durchzuhalten, egal wie schwer es mir fällt und wie groß die Ängste noch werden. Mir bleibt ja auch nichts übrig. Ich muß etwas in meinem Leben ändern sonst bleib ich irgendwann auf der Strecke, dessen bin ich mir bewußt. Deinen letzten Satz finde ich sehr schön. wenn ich das doch auch so sehen könnte
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 23. März 2007 @ 19:58
Danke Dir Miriam. Wie sagt man so schön…”Alles wird gut”
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 23. März 2007 @ 20:00
Hallo Liebeskasper,
momentan halte ich mich mit den Erinnerungen an meine ersten beiden Klinikaufenthalte hoch. Gut, beim ersten Mal ist es mir in sechs Wochen nicht einmal geglückt, mich in einer Gruppensitzung zu beteiligen. Beim zweiten Mal dafür aber recht häufig. Allerdings habe ich damals auch bestimmt zwei Wochen gebraucht bevor ich es geschafft habe. Mir wird das auch jetzt ganz bestimmt wieder gelingen.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 23. März 2007 @ 20:05
Hallo Lebefrau,
mir tut es gut meine Gedanken hier los zu werden und ich versuche dabei so offen wie möglich zu sein. Es fällt mir leichter, da ich niemanden direkt vor Augen habe und ich nicht reden muß. Wird aber sicher auch mal Tage geben an denen mir selbst das Schreiben nicht gelingen wird. Bis dahin bin ich aber froh über Eure Kommentare und versuche auch immer etwas von Euren Tips und Ratschlägen für mich umzusetzen. Danke Dir
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 23. März 2007 @ 20:16
Aller Anfang ist schwer, aber du darfst jetzt auch nicht zuviel von dir verlangen. Alles ist neu, du bist fremd, die Leute um dich herum sind fremd und bis du sich da mal wohl fühlst wird schon etwas Zeit vergehen.
Aber Respekt, viele schaffen nicht mal den Schritt den du bereits geschafft hast.
Wünsche dir viel Kraft
Kommentar von Christine — 24. März 2007 @ 17:39
Lieben Dank Christine.
Ich weiß ihr habt Recht. Bin ungeduldig und setze mir selbst die Meßlatte wieder viel zu hoch.
Kommentar von Jung-Ewig-Sucht — 24. März 2007 @ 20:28